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CMH-Heliskiing-Guides-Manager Erich Unterberger im Exklusiv-Interview

Text: Bernhard Krieger

Wer bei Canadian Mountain Holidays (CMH) einen Traumjob als Heliskiing-Guide bekommen will, muss einen Mann überzeugen: Erich Unterberger ist seit vielen Jahren als Guides-Manager für die Heliski-Bergführer in allen CMH Gebieten verantwortlich. Im Exklusiv-Interview von SKI KANADA verrät der gebürtige Österreicher aus Leogang, was gute Guides ausmacht, warum er mehr Frauen im Team haben will und wie Heliskiing immer sicherer wird. SKI KANADA sprach mit ihm in der CMH Bobbie Burns Lodge.

CMH-Heliskiing-Guide ist ein Traumjob

Erich, ist Heliskiing-Guide eigentlich ein Traumjob?
Ich glaube schon! Ich habe 1987 angefangen für eine Saison. Das ist jetzt 30 Jahre her und ich bin immer noch mit voller Begeisterung dabei. Ja, für mich ist es ein Traumjob.

Wie wird man denn Heliskiing-Guide bei CMH?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, da wir Bergführer aus allen Ländern anstellen. Man muss ein international ausgebildeter Berg- und Skiführer sein und sollte zusätzlich noch eine Skilehrer-Ausbildung haben. Für kanadische Aspiranten steigen wir schon früher ein. Sie machen zwei Jahre mit uns und anschließend die Skiführer-Prüfung. Ich würde sagen, dass zwei Drittel bei uns Kanadier sind und ein Drittel aus aller Welt.

Und wie erkennst Du, dass jemand ein top Guide wird?
Wichtig ist, dass man die Passion für die Gäste hat. Ich schaue darauf, dass Anwärter wirklich Spaß haben, anderen Leuten die Berge zu zeigen. Sie werden Bergführer, weil sie gerne in den Bergen sind und gerne Skifahren. Wenn beides vorhanden ist, ist auch die Voraussetzung da, dass man das lange macht.

Gute Heliskiing-Guides sind Teamplayer bei CMH

Wieviel macht die Ausbildung, wie viel die Erfahrung aus?
Beides ist wichtig. Wir schauen, dass wir für die Gebiete genügend Bergführer haben, die das Terrain sehr gut kennen und viel Erfahrung haben. Aber wir bringen natürlich immer neue Leute rein, damit wir auch in 20 Jahren wieder sehr erfahrene Bergführer haben.

Gibt es Unterschiede zwischen europäischen und kanadischen Guides?
Würde ich nicht sagen. Die Ausbildung ist sehr ähnlich. Alle Mitgliedsländer der internationalen Bergführervereinigungen haben einen sehr ähnlichen Standard.

Doch nicht alle arbeiten in Gruppen. Müssen CMH-Guides Teamplayer sein?
Ja, das ist der große Unterschied. Bei „normalen“ Ski- und Bergführern gibt es viele Aufgaben, die sie als Einzelperson bewältigen. Bei uns ist das eine Team-Angelegenheit und die ganze Mannschaft entscheidet. Man muss also sehr teamfähig sein, um als Heliski-Guide erfolgreich zu sein. Das ist auch ein Kriterium, worauf ich bei der Auswahl besonders schaue.

CMH-Manager Erich Unterberger: Hätten gern mehr Frauen im Team

Oftmals bestehen die Teams aus Männern. Wieso gibt es so wenige Frauen unter den Guides?
Das war vielleicht mal so, dass wir die Türen für Frauen verschlossen haben. Aber inzwischen schauen wir, dass wir einen hohen Anteil an Frauen im Team haben. Sie bringen sehr viel positive Energie in die Teams. Es ist nur leider so, dass international der Anteil der ausgebildeten Bergführerinnen bei unter zehn Prozent liegt. Wir haben einen höheren Anteil als zehn Prozent. Von daher sind wir auf dem richtigen Weg, aber wir wollen eigentlich mehr Frauen im Team.

Unterscheiden sich Heliskiing-Guides von CMH von denen anderer Unternehmen?
Das würde ich nicht sagen. Wir sind eine sehr große Firma mit insgesamt 130 Führern, aber pro Gebiet ist das nicht so viel und sehr familiär. Die Unterstützung zwischen den Gebieten ist sehr gut, man hat die Möglichkeit voneinander zu lernen und in die anderen Gebiete zu wechseln. Das ist bei CMH sicherlich eine Besonderheit.

Eine andere Besonderheit ist Eure 50-jährige Erfahrung – CMH ist der Heliskiing-Pionier. Wie hat sich das Guides-Wesen im Vergleich zu früher verändert?
Wir gehen mit der Zeit. Früher haben wir den ganzen Winter durchgearbeitet. Das geht heutzutage nicht mehr, weil die Guides auch Anspruch auf ihre Familie haben. Sie können ja nicht den ganzen Winter weg sein. Deshalb haben wir jetzt ein System, bei dem man zwei Wochen arbeitet und eine Woche frei hat. Dadurch bleiben die Guides den ganzen Winter frisch und können zwischendurch eine sehr gute Zeit mit der Familie haben. Wir alle sind auch offener geworden gegenüber anderen Heliski-Betreibern oder auch den Skigebieten. Wir tauschen untereinander Schneedaten aus und kriegen sehr viele Informationen, sodass wir hoffentlich bessere Entscheidungen treffen. In dem Bereich hat sich sehr viel getan.

Können junge Guides heutzutage noch von den Pionieren lernen?
Auf alle Fälle. Wir machen jährlich ein Training über vier bis fünf Tage, bei dem alle Guides zusammen kommen. Wir haben da immer wieder Leute dabei, die schon 40 oder 50 Jahre führen, und die sind natürlich auch da, damit die jungen Guides Fragen stellen können. Und in jeder Lodge bekommen wir immer wieder Besuche von sehr erfahrenen Leuten – die jungen Führer schätzen das schon sehr.

CMH Heliskiing: Safety first

Sicherheit steht bei Euch stets an erster Stelle. Wie entscheiden die Guides, welche Runs gefahren werden können und welche nicht?
Wir treffen uns in der Früh schon vor sieben Uhr und dann liest jeder die Informationen aus British Columbia und Alberta von den anderen Gebieten. Einer der Guides ist zuständig für die Wetterbeobachtung. Wenn das Meeting dann beginnt, wird besprochen, was sich seit dem Meeting vom Vortag geändert hat. Mit diesen Veränderungen erstellen wir eine Gefahrenanalyse. Das heißt, wir schauen uns das Gefahrenpotential, die Lawinensituation und die Wechten an, diskutieren und erörtern diese und halten die Ergebnisse fest. Danach wird die Abfahrtsliste erstellt. Jede Abfahrt hat einen Namen und ist mit Bild in unserem System. Auf dem Computer schauen wir uns das an und jeder weiß worüber wir reden. Zum Schluss werden die Abfahrten entweder als rot oder grün markiert. Auf roten Abfahrten wird nicht gefahren, auf grünen kann man fahren. Aber bei grünen Abfahrten wird immer noch diskutiert, ob man nicht die eine oder andere Stelle vermeidet. Das ist sehr intensiv, jeder ist immer beschäftigt und man muss frisch und munter sein, damit man das alles aufnehmen kann.

Und wie geht’s dann weiter?
Der Leadguide, der für den logistischen Ablauf des Tages verantwortlich ist, spricht mit den Piloten, die auch bei der vorherigen Besprechung dabei sind, noch einmal über das aktuelle Wetter. Und anhand der tatsächlichen Situation treffen Leadguide und Pilot die Entscheidung, wohin man letztendlich fliegt. Die endgültige Entscheidung liegt jedoch beim jeweiligen Gruppen-Guide. Wenn der oben am Hang steht und sagt, dass etwas nicht passt, wird da nicht gefahren.

Das ist sehr viel Verantwortung für den Guide. Gibt es eine Art Guides-TÜV – wird ihre Arbeit regelmäßig überprüft?
Die Gebietsleiter schauen auf ihre jeweilige Mannschaft, ich habe dann den Gesamtüberblick. Wenn es irgendwo vom Standard her nicht mehr passt, kann es passieren, dass wir die Guides im nächsten Jahr nicht mehr einladen. Es passiert ganz selten, dass jemand während der Saison geht. Es ist ganz wichtig, dass die Guides Disziplin haben, neben dem Spaß an ihrem Job. Schließlich ist Heliskiing eine ernsthafte Sache und da ist kein Platz für eigenständige Entscheidungen.

Absolute Sicherheit gibt es – bei allen Vorkehrungen – trotzdem nicht in den Bergen.  Was lernt ihr aus Unfällen und wie geht ihr damit um?
Unser Ziel ist hundertprozentige Sicherheit, aber die gibt es natürlich nirgendwo im Leben. Ein Restrisiko bleibt bei allem, was Menschen tun. Unser Job ist es, Heliskiing so sicher wie nur menschenmöglich zu machen. Deshalb analysieren wir nicht nur Unfälle, sondern im Prinzip auch jeden einzelnen Tag, an dem nichts passiert – vor allem Ereignisse, die schnell zu Unfällen hätten führen können, müssen wir überdenken. Beide Unfälle, die wir in den Adamants hatten, waren wirklich sehr unglücklich. Das ist manchmal auch einfach Pech. Aber wir lernen jeden Tag dazu und auch aus Unglücken, so dass wir unsere Sachen noch besser machen.

Die Adamants hast Du gerade angesprochen. Wo hast Du denn schon überall als Guide Gäste geführt?
Meine Karriere hat vor 30 Jahren in den Gothics angefangen, anschließend war ich ein Jahr in Galena und dann habe ich für 20 Jahre die Adamants-Lodge geleitet. Und jetzt, seit ich diesen Job habe, bin ich in allen Lodges unterwegs. In Bobbie Burns bin ich immer gerne oder auch in Bugaboos, wo alles angefangen hat. Cariboos hat wahnsinnig viel Charakter, das Skigebiet ist unwahrscheinlich schön. Und in den Monashees gibt es super Waldabfahrten.

Hast Du überhaupt noch Traumziele, die Du auf Ski erkunden willst?
Oh ja, wobei ich derzeit in meinem Job gar nicht dazu kommen. Aber ich bin sehr viel gereist, bevor ich zu CMH kam. Seit ich in British Columbia lebe, bin ich so mit der Arbeit beschäftigt und es macht mir irrsinnig viel Spaß. Aber vielleicht, wenn ich mal wieder ein bisschen mehr Zeit habe, würde ich gerne noch einmal zurück nach Asien. Kamtschatka klingt ganz gut, Alaska wäre auch ganz nett, aber man muss ja auch mit dem zufrieden sein, was man um sich hat. Und schau Dich um in unsern CMH-Lodges in BC das ist doch grandios!