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Dan Raymond von Extremely Canadian in Whistler: “Kennen die Spots, die auf keiner Karte stehen”

Text: Andreas Hottenrott

Als Spätzünder auf dem Snowboard schaffte er es bis ins kanadische Nationalteam und als Coach zu den Olympischen Spielen, heute bildet Dan Raymond unter anderem Whistlers Snowboard-Lehrer aus. Und er zeigt Wintersportlern die extremen Seiten des gigantischen Resorts. Im Interview erklärt er, was das Extremely Canadian-Programm auszeichnet, für wen es interessant ist und in welchem Bereich Snowboarder ihren skifahrenden Kollegen etwas voraushaben.

 

Dan Raymond: Buckelpisten, olympische Halfpipes und Whistler Blackcomb

Dan, wenn man dich auf dem Snowboard sieht, wirkt es so, als hättest du nie etwas anderes getan. Deine Anfänge als Wintersportler liegen aber in einem anderen Bereich.

Stimmt, ich habe als Buckelpistenfahrer angefangen. Damals gab es keine Terrain-Parks. Also habe ich mich einem Buckelpisten-Team angeschlossen, um Sprünge machen zu können. Mit 20 Jahren bin ich dann zum Snowboarden gekommen. Ein bisschen spät, aber in den 90er Jahren war das nicht so schlimm. Da konnte man einigermaßen schnell zum Pro-Level aufschließen.

Wie lange warst du Profi?

Zwischen 2003 und 2010 war ich im kanadischen Halfpipe-Nationalteam, danach habe ich die Mannschaft bis zu den Olympischen Spielen in Sotchi gecoacht.

Warum hast du aufgehört?

Ich hatte einen klaren, definierten Moment, in dem ich wusste, dass ich fertig war mit meiner Karriere. Damals habe ich einen 1080 gelandet. Noch bevor ich beim Sprung danach in der Luft war, wurde mir klar, dass ich keinen besseren hinbekommen würde. Ich war so zufrieden damit und habe es nie bedauert, so früh aufgehört zu haben.

An welche Momente deiner Karriere denkst du besonders gerne zurück?

Ich habe so viele vierte Plätze erreicht, dass es beinahe lächerlich ist. Bei den Olympischen Spielen in Turin und Vancouver war ich als Backup dabei. Und eben als Coach in Sotchi – das war sicherlich ein Highlight. Ansonsten habe ich mich eher über das Erreichen persönlicher Ziele gefreut. Weil ich so spät mit Snowboarden angefangen habe, hat sich jeder neue Trick, den ich gelernt habe, wie eine Errungenschaft angefühlt. Und es mit 26 ins Nationalteam zu schaffen, war der Wahnsinn. Shaun White hat damals alles gewonnen. Und der war halb so alt wie ich.

Warum bist du damals überhaupt aufs Snowboard gewechselt?

Ich wollte es einfach mal ausprobieren. Das war zunächst eine sehr schmerzhafte Erfahrung, denn jeder Turn endete mit einem Sturz. Nach einer Woche habe ich mir Softboot-Equipment ausgeliehen. Auf dem Anfängerhügel lagen gerade 30 Zentimeter Neuschnee. Ich wusste, heute würde sich entscheiden, ob ich das Snowboard lieben würde oder nicht. Und ich liebte es. Das Gefühl des Powder-Flows möchte ich auch anderen Menschen näherbringen.

Boarden mit Ansteckungsgefahr: „The Stoke is contagious!“

Was gefällt dir daran, anderen Leuten etwas beizubringen?

The Stoke is contagious! Wenn du Anfänger bist und ich dir helfe, deine ersten Turns aneinanderzureihen, dann gibt mir das etwas. Wenn du dich für die Olympischen Spiele qualifizieren möchtest und deinen schwierigsten Trick schaffst, freue ich mich genauso wie der Athlet. Schon als Teenager dachte ich, dass ich ein guter Coach werden könnte. Meiner war nämlich schrecklich. Er schien sich einfach nicht zu kümmern und ich dachte: Das könntest du so viel besser.

Heute bildest du Snowboard-Lehrer in Whistler Blackcomb aus und begleitest Gäste von Extremely Canadian auf den Berg. Macht dir das mehr Spaß als der Job im Nationalteam?

Ein Nationalteam zu coachen ist sehr viel mehr Management als Snowboarding. Du verbringst den ganzen Tag damit, Strategien zu entwickeln, mit dem Team ins Fitnessstudio zu fahren, Reisepläne zu organisieren und vieles mehr. Snowboarden ist nur noch ein kleiner Teil deines Lebens. Hier in Whistler habe ich wieder richtig Spaß. Besonders, wenn es 40 Zentimeter Neuschnee gibt. Ich habe den ganzen Tag Snowboard-Boots an und kann den Leuten selbst alles zeigen, was sie lernen wollen. Du möchtest fahren wie Nicolas Müller? Ich bringe dich ins richtige Terrain und zeige dir die Technik.

In Whistler persönliche Grenzen austesten

Wie würdest du jemandem Extremely Canadian vorstellen, der bisher noch nichts von euch gehört hat?

Wir von Extremely Canadian helfen Skifahrern und Snowboardern dabei, ihre Grenzen auszutesten und ihre Technik im Gelände zu verbessern. Dafür bieten wir sowohl private Touren als auch Camps an. Wir führen dich zu steilen Hängen und offenen Bowls, durch Couloirs und Bäume, und vor allem zum besten Schnee.

Reicht es, ein sehr guter Snowboarder zu sein, um für Extremely Canadian arbeiten zu dürfen?

Nein, den Guides von Extremely Canadian wird viel mehr abverlangt. Natürlich sind sie höchst zertifiziert. Aber sie müssen auch detaillierte Kenntnisse des Bergs und des Schnees haben. Wo im Dezember noch Klippen waren, können im Februar einfache Hügel sein. Außerdem müssen die Guides die Kunden richtig einschätzen und das entsprechende Terrain für sie auswählen. Wir kennen die Spots, die auf keiner Karte stehen. Auf unsere Kenntnisse des Bergs sind wir sehr stolz. Und wir überraschen unsere Gäste gerne. Wenn es seit vier Tagen nicht geschneit hat, finden wir trotzdem noch Powder für sie.

Mit Extremely Canadian fit fürs Heliskiing

Welche Leute sind normalerweise mit Extremely Canadian unterwegs?

Unsere Kunden sind meist neugierig, aber vorsichtig. Sie wollen wissen, was hinter den Bäumen liegt oder wie es hinter dem Bergkamm weitergeht. Aber sie wollen am Ende des Tages nicht völlig erschöpft sein, weil sie ihre Fehler ausbügeln mussten. Manche möchten auch gezielt an etwas arbeiten, zum Beispiel, wie man Sprünge von Cliffs sicher landet oder wie man im Wald fährt. Zuletzt hat sich jemand mit uns aufs Heliskiing in Alaska vorbereitet. Der wollte sicherstellen, dass er gut genug ist für die steilsten Hänge dort.

Was ist für dich das stärkste Argument, ein Powder-Abenteuer mit euch zu buchen?

Es ist einfach der beste Weg, das Meiste aus dem Skigebiet herauszuholen. Mit uns endest du nicht in unvorhergesehenen Situationen. Sonst folgst du vielleicht ein paar Linien im Schnee und stehst auf einmal auf einer riesigen Klippe, weil die Spuren von einem Pro-Skier waren.

Und mit euch passiert sowas natürlich nicht.

Es gibt Stellen in unserem 30 Quadratmeter großen Gebiet, zu denen nicht mal ich mit Gästen fahre, weil ich mich nicht gut genug auskenne. Aber die Gegenden, die ich kenne – die kenne ich extrem gut.

Wie lange sind die meisten Wintersportler mit euch unterwegs?

Generell gilt: Je besser ich dich kenne, desto besser weiß ich, welches Terrain du magst und womit ich dich herausfordern kann. Und desto mehr Spaß haben wir. Einzelpersonen buchen normalerweise die Zwei-Tages-Camps mit uns. Und viele kommen Jahr für Jahr wieder. Zum Abschluss der Camps gibt es dann noch eine Party. Was großartig ist: Bei Extremely Canadian gibt es viel mehr Skifahrer als Snowboarder. Aber wir Snowboarder sind immer die letzten, die die Party verlassen.

Wo Dan in Whistler am liebsten fährt und wo er nach einem Powder-Tag einkehrt, lest ihr im zweiten Teil des Interviews.

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